dad@wor workshop

dad@work Workshop bei IPW

Eltern stehen in einem Spannungsverhältnis. Die Anforderungen von Beruf und Privatleben passen nicht ohne weiteres zusammen. Das ist auch der IPW, der Integrierten Psychiatrie Winterthur bewusst. Sie ermutigt und unterstützt ihre Mitarbeitenden daher aktiv. Verschiedene Angebote, wie z. B. eine eigene Kinderbetreuung, ermöglichen die Realisierung geeigneter Vereinbarkeitslösungen. Im Oktober gab sie Vätern und Müttern die Möglichkeit, ihre Situation zu reflektieren und Handlungsoptionen zu erarbeiten. Wir durften in unserm dad@work Workshop mit den Vätern arbeiten. Geschätzt haben sie die Inputs und den Austausch – untereinander und mit den Müttern.

Vereinbarkeit: langfristige Perspektive, momentane Lösungen

Wer auf Dauer leistungsfähig sein möchte, sollte nicht permanent am Limit laufen. Das gilt ganz besonders für die Mitarbeitenden der IPW. Sie begleiten und betreuen Menschen in Krisen und mit psychischen Erkrankungen. Ein anspruchsvolles und herausforderndes Umfeld. Hier sind Selbstfürsorge und Selbstreflexion lebensnotwendig.

Die IPW bietet ihren Mitarbeitenden seit Jahren verschiedene Möglichkeiten, Beruf- und Privatleben aufeinander abzustimmen. Neben einer IPW-eigenen Kindertagesstätte nutzen die Mitarbeitenden z. B. flexible Arbeitszeitmodelle und die Pensumsreduktion. Seit 2016 ist die IPW von der Fachstelle UND mit dem Prädikat für Vereinbarkeit und Gleichstellung ausgezeichnet.

Dass für die Mitarbeitenden damit nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt sind, ist Thomas Egli bewusst. Er ist Direktor Human Ressources, stv. CEO und selber Vater. Er kennt die Herausforderungen als Elternteil und Berufsmann. Und er weiss, dass die Situation bei jedem anders ist, je nach Tätigkeitsfeld, Familienmodell und familiärem Umfeld. Er weiss auch, dass sich nicht alles, was wünschenswert ist, auch realisieren lässt. Doch er sieht viele Möglichkeiten. Die besten entstehen für ihn, wenn man im Austausch ist. Vereinbarkeit braucht sowohl die langfristige Perspektive (wie sorge ich dauerhaft gut für mich und andere?) als auch konkrete Lösungen für den Moment.

Der dad@Work Workshop schafft Vernetzung und Verbundenheit

Darum hat Thomas Eglig im Oktober seinen Mitarbeitenden die Möglichkeit gegeben, ihre individuelle Situation im Austausch mit anderen zu reflektieren, nach Änderungsbedarf Ausschau zu halten und Handlungsoptionen zu erarbeiten. Die Fachstelle UND und wir vom Väternetzwerk Schweiz haben einen Tag mit Müttern und Vätern gearbeitet, die Mütter im mom@work, die Väter im dad@work Workshop.

Das Konzept für den Väterworkshop wurde von dem Väterberater Remo Ryser entwickelt. Es beruht auf einer Mischung aus Inputs aus der Arbeit mit Vätern und der Väterforschung kombiniert mit viel Interaktion und gegenseitigem Support der Väter. Die Idee dahinter: Austausch und Verbindung entstehen nicht nur im Workshop, sondern darüber hinaus. Sich auszutauschen und in Väterfragen gegenseitig zu unterstützen wird Teil der Unternehmenskultur.

Auf die Frage, was die Väter am Workshop schätzen antworten die meisten denn auch, dass der Austausch mit anderen sehr hilfreich sei. Es sei gut zu wissen, dass man nicht alleine ist und auf wen man zugehen kann, wenn man Fragen hat oder Unterstützung braucht.

Im Austausch bleiben – auch mit der Führung

Im zweiten Teil stellte sich Thomas Egli den Fragen der Workshopteilnehmenden. Die Mütter hatten in ihrer Session mit Regula Rütti eine lange Liste zusammengestellt. Im Austausch dazu kam es zu teils neuen Erkenntnissen. Darüber freute sich Thomas Egli. Die Mitarbeitenden schätzen wiederum diese Offenheit und die Transparenz ihres HR-Leiters. Er bringt die Dinge gerne auf den Punkt, sagt was er weiss, wo er Grenzen und wo er Spielräume sieht. Thomas Egli sah sich bestätigt: Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen für diese Fragen.

Das zeigt auch der Austausch zwischen Müttern und Väter am Ende des Workshops. Die Ausgangslage ist oft unterschiedlich. Doch die Fragestellungen und die Bedürfnisse sind ähnlich. Es zeigen sich viele gemeinsame Interessen. Die wichtigste: Im Austausch zu bleiben.

mom und dad@work Workshop mit Regula Rütti und Reto Kessler
Regula Rütti von der Fachstelle UND und Reto Kessler leiten den Workshop
Familienarbeit als Armutsfalle

«Familienarbeit als Armutsfalle? Den Risiken bei Trennung und im Alter vorbeugen»

Eindrücke und Erkenntnisse vom Praxisforum 2022 in Bern

Wer während der „Babypause“ keiner Erwerbsarbeit nachgeht, unterliegt einem höheren Armutsrisiko. Insbesondere wenn die Partnerschaft auseinandergeht, kann die Person, die sich um die Familienarbeit kümmert, u. U. nicht mit ausreichenden Einkünften rechnen. Um das Armutsrisiko des betreuenden Elternteil zu reduzieren, sind Rahmenbedingungen notwendig, die egalitäre Familienmodelle fördern. Was dazu braucht und wie das gelingt, war Thema am Praxisforum im Oktober 2022 in Bern. Wir vom Väternetzwerk Schweiz waren mit einem Workshops vertreten und haben euch die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Familienarbeit erhöht das Armutsrisiko

Andrea Gisler: Hoher Handlungsbedarf

Wer sich in der Schweiz statt der (Haupt-)Erwerbsarbeit nachzugehen, um die Familienarbeit kümmert, unterliegt einem höheren Risiko zu verarmen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Partnerschaft der Eltern auseinander geht (Trennung, Scheidung). Heute wird rund die Hälfte der Ehen in der Schweiz geschieden. Etwas 200’000 Menschen sind in der Schweiz auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Zwei Drittel davon sind Frauen, ein Dritteln Männer. Der Handlungsbedarf ist also hoch.

Andrea Gisler, Fachanwältin für Familienrecht und Mediatorin, skizzierte die Ausgangslage anhand von Beispielfällen. Sie zeigte die teils drastischen Unterschiede die beispielsweise durch den Gender Pension Gap entstehen. Während die Differenzen in der AHV gering sind, muss der betreuende Elternteil mit starken Einbussen in der zweiten Säule rechnen. Dabei sind Menschen, die sich für ein Konkubinat entschieden haben, im Trennungsfall stärker betroffen als Eheleute.

Andrea Gisler bei ihrem Vortrag zu Familienarbeit als Armutsfalle
Andrea Gisler bei ihrem Vortrag zu Familienarbeit als Armutsfalle

Keine langfristige Perspektive bei der Familiengründung

In der Phase der Familiengründung sind sich die Beteiligten oft nicht über die langfristigen Konsequenzen bewusst. Die Wahl des Familienmodells erfolgt aufgrund der aktuellen Situation. Geburt und Familiengründung stehen im Vordergrund. Dabei ist die traditionellen Rollenverteilung unbewusst nach wie vor sehr präsent. Zwar findet ein Wandel statt, weg vom Ernährer-Hausfrau-Modell hin zum Zuverdiener-Modell. Im Grundsatz bleibt die Rollenverteilung für viele Paare jedoch unverändert: Der Mann sorgt meist für die materielle Sicherheit der Familie, die Frau kümmert sich im Schwerpunkt um die Familienarbeit. Damit ändert an der finanziellen Situation der Paar insgesamt wenig.

Das Schweizer Recht- und Sozialsystem ist stark geprägt vom bürgerlichen Ehemodell. Dadurch sind egalitäre Zweiverdiener-Modelle nach wie vor selten. Und hier wird deutlich, dass der Wunsch vieler Paar und ihre Wirklichkeit weit auseinanderklaffen.

Ein interessantes Detail auf das Andrea Gisler aufmerksam machte: Früher war der sog. Hausfrauenlohn, also die finanzielle Entschädigung der Haus- und Familienarbeit, ein Anliegen der bürgerlichen Parteien. Heute kommt die Forderung eher von linken Aktivisten und Aktivistinnen. Für sinnvoll hält Andrea Gisler die Forderung nicht, da sie nicht zu dem notwendigen Wandel beiträgt.

Ansatzpunkte zur Reduktion des Risikos

Wo kann und sollte man ansetzen? Andrea Gisler liefert folgende Punkte:

  • Für Lohngleichheit sorgen
  • Die Teilzeitfalle eliminieren
  • Berufliche Vorsorge: Pensionskassensplitting im Rentenalter, die Eintrittsschwelle senken und Koordinationsabzug abschaffen oder senken
  • Das Angebot von bezahlbaren Kinderbetreuungsplätzen sicherstellen
  • Das Steuersystem reformieren: höhere Steuerabzüge für effektive Kinderbetreuungskosten, Individualbesteuerung
  • Flexible Arbeitsmodelle ermöglichen: Flexible Arbeitszeiten, Home Office, Jobsharing
  • Finanzplanung für Familien und Partner sicherstellen
  • Bezahlter und unbezahlter Arbeit umverteilen
  • Geschlechts- und zivilstandsunabhängige Ausgestaltung der Sozialversicherungen

Im Anschluss an den Impuls von Andrea Gisler, fanden fünf Workshops zu spezifischen Aspekten der Familienarbeit statt. Einen davon haben wir gestaltet. Und bei uns ging es (natürlich) um die Perspektive der Väter auf das Thema Vereinbarkeit:

Familienarbeit aus der Perspektive der Väter

Der Titel unseres Workshop lautete:

Zwischen Laptop und Wickeltisch? – Welche Vorstellungen haben Väter zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wie gelingt die Umsetzung? Wie entwickeln sich Männlichkeitsbilder weiter?

Uns ging es darum, das Spannungsfeld der Väter aufzuzeigen, wenn es um Fragen der Vereinbarkeit geht. Väter, die sich aktiv und engagiert für Familienarbeit einsetzen, werden nach wie vor gelobt. Da zeigt: sie werden als Besonderheit angehen:

Das führt dazu, dass Männer ihren Wunsch und ihre Vorstellungen in Bezug auf Vereinbarkeit sehr aktiv und standhaft durchsetzen müssen. Das kann nicht jeder gleich gut. Zudem sind die Voraussetzungen je nach Lebenssituation sehr unterschiedlich. Wunsch und Wirklichkeit der Väter weichen darum nach wie vor stark voneinander ab. Zudem ist festzustellen:

«Für das heutige Leitbild vom Vatersein ist wesentlich, dass die Figur des ‚abwesenden Ernährers’ abgelehnt wird. (…) Wunsch ist der engagierte und in der Familie involvierte Vater. Das bringt aber keineswegs ‚automatisch‘ eine Aufgabenteilung mit sich, in der der Vater zu gleichen Teilen Sorgearbeit leistet wie die Mutter. Somit eröffnet sich ein Spannungsfeld: Einerseits unterscheidet sich das gelebte Arbeitsarrangement äusserlich nicht gross von dem der eigenen Eltern, andererseits grenzen sich heutige Väter stark vom Vaterbild früherer Generationen ab und entwickeln ganz andere Ansprüche an sich als Vater.»

MenCare Report Vol. I (Baumgarten & Borter 2016)

Unsere Kernbotschaft:

Im Anschluss haben wir sieben Erfahrungswerte aus der Väterarbeit sowie Booster und Blocker für die Arbeit mit Vätern von (Remo Ryser) geteilt.

Wir haben uns sehr über das rege Interesse an unserem Workshop und den spannenden Austausch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gefreut. Insbesondere hat uns der Zuspruch zu unserer Arbeit mit Vätern sehr gestärkt.

Regula Rytz: Dran bleiben!

In ihrer Abschlussrede lobte Regula Rytz, ehem. Nationalrätin und amtierende Präsidentin der kantonalen Fachkommission für Gleichstellungsfragen, das Engagement der Beteiligten. Und sie ermutigte, dran zu bleiben, um die unerwünschten Unterschiede und damit das vermeidbare Risiko zu reduzieren, durch Familienarbeit zu verarmen.

Wir von Väternetzwerk Schweiz ermutigen Väter, das Thema Familienmodell und Carearbeit mit Partnerin und Arbeitgeber:in zu besprechen und den eigenen Weg zu finden (statt in die Traditionsfalle zu tappen). Zum Beispiel beim Workshop dad@work, den wir auch in Unternehmen und Institutionen durchführen.

Ist Gleichstellung in der Schweiz erreicht? Von der Wunschvorstellung der Mehrheit (einer egalitären Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit) sind wir noch weit entfernt.

„Denken Sie, dass die Gleichstellung der Geschlechter in der Schweiz erreicht ist?“ Dieser Frage ging das „Nationales Barometer zur Gleichstellung 2021“ nach. Sie befragten 2’245 Personen in der Schweiz. Fokus: Erwerbsarbeit und unbezahlte Care-Arbeit. Wir haben einige wichtig Aspekte herausgegriffen. Auf den Punkt: Die Mehrheit der Paare wünscht sich egalitäre Familienmodelle. Das für alle möglich zu machen, davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Doch es gibt Ideen, was man tun sollte.

Um was geht es? Das Wichtigste in Kürze

Die Studie wurde im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG) durchgeführt. Die Befragung fand im April 2021 statt. Die Befragten kamen aus allen Landesteilen und waren im erwerbsfähigen Alter also zwischen 18 und 65 Jahre alt. 1’134 identifizierten sich als Männer, 1’110 als Frauen und eine Person weder als Frau noch als Mann.

Die Studie zeigt grosse Unterschiede:

  • Wie Männer und Frauen die Verteilung der Arbeit und die diesbezüglich Fairness wahrnehmen: Frauen gehen deutlich häufiger davon aus, dass sie mehr Care-Arbeit übernehmen. Und sie bewerten die Fairness der Arbeitsteilung deutlich niedriger als Männer.
  • Die zeitliche Entwicklung (Vergleich mit 2018): Der Stand der Gleichstellung wird 2021 deutlich kritischer eingeschätzt als in der Befragung vor drei Jahren.
  • Regionale Unterschiede: In der Zentral- und Ostschweiz ist man traditioneller, in der Espace-Mittelland-Region fortschrittlicher.
  • Einfluss der Pandemie: Die Pandemie scheint zu einer Retraditionalisierung der Geschlechterrollen beizutragen: Frauen haben aufgrund von Familien- und Betreuungsverpflichtungen weniger Kapazität für Erwerbsarbeit. Bei Männern ist es umgekehrt.

Egalitäre Familienmodelle: Der Wunsch der Mehrheit

Traditionelle Einstellungen zu Geschlechterrollen und Familienmodellen sind auf dem Rückzug. Etwa drei Viertel der befragten stimmten der Aussage zu, Männer und Frauen sollten zu gleichen Teilen Care-Arbeit übernehmen:

Gleichstellung bei der Care-Arbeit
Quelle: Nationales Barometer zur Gleichstellung 2021, Schweizerische Konferenz der
Gleichstellungsbeauftragten (SKG)

Männer sind tendenziell traditioneller eingestellt als Frauen. Interessantes Detail hier: Die Zustimmung zu der Aussage, dass Frauen ihren Anteil an der Erwerbsarbeit zugunsten der Familie reduzieren sollen, ist in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen am höchsten (27%), bei den 50- bis 59-Jährigen am tiefsten (18%). Eine mögliche Interpretation dazu: Die akut „Betroffenen“ beurteilen die Situation anders als die Älteren in der Rückschau. Gerade Männer bereuen in der Rückschau häufig, ihren Platz in der Familien nicht früher gefunden zu haben. Viele wünschen sich, in der Zeit als die Kinder zu Hause waren, mehr Zeit mit ihnen verbracht zu haben.

Ein ähnlich Bild zeigt sich, wenn die Menschen nach ihrer Wunschkonstellation für Familien gefragt werden: Die meisten wünschen sich (teils auch in der Rückschau), dass beide Eltern in Teilzeit arbeiten (und so Kapazität für Familie und Haushalt haben):

Gleichstellung bei der Erwerbsarbeit
Quelle: Nationales Barometer zur Gleichstellung 2021, Schweizerische Konferenz der
Gleichstellungsbeauftragten (SKG)

Das traditionelle Alleinernährermodell, in dem der Mann Vollzeit arbeitet und die Frau zu Hause die Kinder betreut, wird nur noch von einer Minderheit favorisiert (10% der Männer, 11% der Frauen).

Vereinbarkeit von Privatleben und Karriere

Familie. und Beruf gut unter einen Hut zu bekommen, ist nach wie vor eine Herausforderung. Auch hier zeigen sich Unterschiede der Geschlechter. Am grössten ist die Herausforderung für Alleinerziehende, insbesondere Väter:

Quelle: Nationales Barometer zur Gleichstellung 2021, Schweizerische Konferenz der
Gleichstellungsbeauftragten (SKG)

Gleichstellung: Der grosse Gap zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Obwohl Männer wie Frauen mehrheitlich egalitäre Wertvorstellungen vertreten, spiegelt sich das im realen Leben der Menschen wenig. Sorge- und Betreuungsaufgaben werden nach wie vor mehrheitlich von Frauen übernommen. Sie sollen in der Erwerbsarbeit zurückstecken, um unbezahlte Care-Arbeit übernehmen zu können. Frauen sind dadurch in ihren Wahlmöglichkeiten stärker eingeschränkt als Männer und empfinden das zu recht als ungerecht. Männer übernehmen in der Praxis nach wie vor eher die Rolle des Ernährers. Sie leisten mehr Erwerbs- und weniger Care-Arbeit. Das zeigt sich am stärksten in der Ungleichheit der Geschlechterverteilung bei Führungspositionen:

Quelle: Nationales Barometer zur Gleichstellung 2021, Schweizerische Konferenz der
Gleichstellungsbeauftragten (SKG)

Männer sind aufgrund ihrer Privilegien insgesamt zufriedener mit ihrer Situation und sehen weniger Bedarf für Veränderungen als Frauen. Hier scheinen die eher langfristig negativen Folgen für Männer (Beziehungsprobleme, Zugang zu den Kindern bei Trennung, weniger Wahlfreiheit, Überlastung und Selbstausbeute durch Dauerhochleistung) bei den befragten wenig präsent.

Gleichwohl wünscht sich eine Mehrheit der Befragten eine gerechte Verteilung von bezahlter Erwerbs- und unbezahlter Care-Arbeit. Es stellt sich die Frage, wie es gelingt, dass Männer ihren Beitrag dazu leisten. Chancen sehen wir hier in der Anspreche der Väter. Hier scheinen uns Bedarf und Bereitschaft am höchsten, neue Wege zu gehen. Und hier setzen wir mit Väternetzwerken und Vatercrashkursen an.

Moderne Väter

Moderne Väter ringen mit alten Rollenbildern – und wie Väternetzwerke sie stärken, dabei Neues zu wagen.

Väter spielen für Unternehmen zunehmend eine Rolle. 2016 fragte der Windelhersteller Pampers in seiner Werbung:

„Warum werden Windeln eigentlich immer von Frauen erklärt?“

…und meint damit auch sich selbst. Es folgte ein Werbespot, in dem Väter zeigen, auf was es beim Wickeln ankommt – unterlegt mit heroischer Opernmusik:

So wie Pampers haben viele Unternehmen entdeckt: Es gibt neben der Mutter noch einen anderen Elternteil: die Väter.

Und das Interesse an den modernen Vätern nimmt stetig zu – zumindest in der Werbung und der Aussendarstellung. Sie sind interessant als Kunden, vor allem aber auch als Fach- und Führungskräfte. Generationen Y und Z haben hier andere Vorstellungen als die Generationen vor ihnen. Arbeitgeber:innen, die glaubhaft vermitteln können, dass sie Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen, verschaffen sich Zugang zu einem erweiterten Talentpool an Fach- und Führungspersonen, nämlich allen, die gute Arbeitnehmer:innen sein wollen und dies mit einer weiteren Herzensangelegenheit vereinbaren wollen oder müssen (z. B. Väter, Mütter, alleinerziehende Elternteile, Menschen, die Angehörige pflegen u.a.). In Zeiten des Fachkräftemangels ist das eine hohe Motivation für Organisationen, ihr Image entsprechend zu polieren.

Väterfreundlichkeit zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Doch nicht immer passen Schauseite und Hinterbühne der Organisation wirklich zusammen. Das kann man auf fehlenden Willen zurückführen (oder sogar böse Absichten unterstellen). Doch das wäre zu kurz gegriffen und in den meisten Fällen auch ungerecht. Denn viele Unternehmen bemühen sich durchaus. Denn sie wissen: Die Frage ist nicht nur, wie man geeignete Leute findet und einstellt, sondern vor allem, wie man sie im Unternehmen hält und ihr Wohlbefinden, ihre Motivation, ihr Engagement und ihre Leistungsfähigkeit hochhält. Fehlender Wille ist daher unwahrscheinlich.

Eine bessere Erklärung ist die: Unsere „Rollenbilder“ von Frau und Mann sind

  1. weit weniger bewusst als wir denken (und trotzdem ständig präsent)
  2. sitzen tiefer als wir es wahrhaben wollen

Alte Rollenbilder legt man nicht ab, wie ein verschwitztes T-Shirt. Und neue Rollenbilder kann man auch nicht einfach verordnen (obwohl man sich das manchmal wünscht, gerade in Organisationen).

Hinzukommt: Das „Neu“ in Bezug auf Männlichkeit und Väterlichkeit ist gar nicht so klar wie wir denken. Denn:

  1. Es ist viel einfacher zu sagen, was nicht mehr passend ist, als was zukünftig geeignet sein könnte.
  2. So klar wie das alte Rollenbild erscheint (Allein- oder Hauptverdiener) wird das neue Vatersein definitiv nicht. Es gibt viele Möglichkeiten, Vater zu sein (vom Vollzeitvater bis zum Alleinernährer). Vatersein ist heute #vielfältig.

Väter vernetzen und den Wandel beschleunigen

Das heisst jedoch nicht, dass man nichts tun kann ausser abzuwarten. Der Wandel lässt sich beschleunigen. Und gerade Führungspersonen und Fachleute im HR haben wirksame Hebel, um aktiv anzusetzen. Im Vätercrashkurs reflektieren Väter, was für sie Vatersein bedeutet und welche Vereinbarungen sie mit Partnerin und Vorgesetzten treffen wollen. Eine schöne 5-Punkte-Liste hat der Human Resources Manager in diesem Beitrag zusammengefasst (von dort stammt auch das gelungene Beispiel mit der Pampers-Werbung)

Besonders gut gefällt mir natürlich Punkt 5. Netzwerke schaffen oder fördern. Netzwerke fördern Verantwortung und Kreativität. Sie sind partizipativ und zu einem hohen Grade selbstorganisiert. Das schont die Ressourcen der Organisation und ist um Welten wirksamer als von oben verordnete Programme „die wir jetzt auch noch umsetzen müssen“. Probiert es aus!

Wir von Väternetzwerk Schweiz vernetzen die Väter übrigens auch mit Netzwerken z. B. von und mit Müttern/Frauen oder LGBQTIA+. Denn wir finden: Netzwerken lohnt sich.

Was Männer brauchen... Christoph Walser

Was brauchen Männer, um ihren Beitrag zu Chancengleichheit, Diversität und Inklusion in Unternehmen nachhaltig zu leisten.

Impulse für ein väterfreundliches HR- und Diversity-Management

Was brauchen Männer…

…um ihren Beitrag zu Chancengleichheit, Diversity und Inklusion zu leisten.

Ohne Beitrag der (weissen cis) Männer findet keine nachhaltige Umsetzung von Diversitykonzepten statt. Männer müssen, können und – das ist das Schöne – sie wollen ihren Beitrag für eine geschlechtergerechte und diverse Gesellschaft leisten. In unserer Veranstaltungsreihe gehen wir der Fragen nach, wie wir sie einbinden und zu aktiven Verbündeten machen.

  • Warum sind Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und Diversity immer noch von weiblichen Protagonisten geprägt?
  • Wie erreiche ich Männer, um Diversitymassnahmen im Unternehmen auch langfristig und nachhaltig umzusetzen?
  • Wie kann ich das Management überzeugen, dass für die Umsetzung von Diversity gerade Männer und Väter wichtig sind?

Fachleute aus Männer- und Väterarbeit in Unternehmen geben kurze Inputs zur Frage, wie Männer ihren Beitrag zu Geschlechtergerechtigkeit und Diversität leisten können.

Geschlechtergerechtigkeit

Dialogveranstaltung für Fachpersonen aus HR, Gleichstellung und Diversity & Inklusion sowie Interessierte.

  • Dauer: 1 Stunde
  • Termine: siehe unten
  • Ort: Online (via Zoom)
  • Preis: Kostenlos